Yacht- und Surfclub Senftenberger See e.V.
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Nachlese Frühjahrsregatta

Worum geht's?

Im Anschluss an die Frühjahrsregatta gab es viele Anregungen, Anmerkungen und Fragen, wie denn eigentlich die Wertungen zustande kamen, verbunden mit Gerüchten über die Änderungen von Yardstickzahlen und ähnlichem. In den daran anschließenden Gesprächen hat sich herausgestellt, dass auf vielen Seiten eine Unkenntnis darüber besteht, wie bei dem doch sehr durchmischten Teilnehmerfeld überhaupt Wertungen zustande kommen. Dem soll abgeholfen werden, aber der Reihe nach.

Grundlegendes zum Yardsticksystem

Das Yardsticksystem ist ein Hilfsmittel, um Boote unterschiedlichen Typs innerhalb einer Wettfahrt werten zu können und als solches unkompliziert anzuwenden. Dafür wird jedem Boot eine "Yardstickzahl" (YS) zugeordnet, mit deren Hilfe aus der tatsächlich gesegelten Zeit eine Zeit berechnet wird, die dann gewertet wird:
Gewertete Zeit = Gesegelte Zeit x 100 / YS
Beispiel Boot A
Gesegelte Zeit 0:45:00 h:mm:ss
YS: 110
Berechnete Zeit: 45:00*100/110=0:40:55
Beispiel Boot B
Gesegelte Zeit 0:45:00 h:mm:ss
YS: 120
Berechnete Zeit: 45:00*100/120=0:37:30

Boote mit niedriger YS müssen den gleichen Kurs also in einer geringeren Zeit absolvieren, um zu gewinnen:
Gesegelte Zeit = Berechnete Zeit * YS /100
Ein Boot mit YS 110 wird also bei einem Zeitunterschied von 10% mit der gleichen Zeit gewertet wie ein Boot mit YS 100.

Das System hat aber Nachteile:

  • Windabhängigkeit: Yardstickzahlen basieren auf einem geschätzten oder empirisch ermitteltem Durchschnittswert. Sie berücksichtigen jedoch nicht, dass manche Boote (z. B. schwere Yachten) mehr Wind brauchen als leichte Jollen. So kommt es, dass z.B. bei leichterem Wind das leichtere Boot trotz gleichem Yardstick wahrscheinlich eine bessere Wertung erreichen wird als das schwerere Boot, sofern beide Boote optimal gesegelt werden.
  • Zustand und Optimierung des Bootes: Die Zahl gilt für ein Standardboot im Werftzustand. Ob ein Segler mit uralten, ausgelaugten Tüchern oder brandneuen High-Tech-Carbonsegeln antritt, spiegelt die feste Yardstickzahl nicht wider.

Diesen Nachteilen wird oft versucht, durch revierangepasste Yardsticklisten, Korrekturfaktoren nach Windbedingungen, individuellen Handicaps und Clubinternen YS-Listen beizukommen. Wir beziehen uns derzeit aber fast immer auf die YS-Empfehlungen des DSV.
Die für uns seit 2023 geltende Liste findet ihr hier: Yardsticktabelle YSC 2023

Die Platzierungen in einzelnen Wettfahrten ergeben sich also klassenweise nach den gewerteten Zeiten der teilnehmenden Boote, sofern keine Einheitsklasse gebildet werden kann. Aber auch für die Einheitsklassen werden die Yardstickzahlen wichtig - dazu später mehr.

Das Low-Point-System

Wie wird nun aus den Platzierungstabellen der Boote in den Wettfahrten eine Regattawertung?
Dazu verwenden wir das Low-Point-System; es gibt für den jeweils Erstplatzierten einer Klasse einen Punkt, den Zweitplatzierten zwei Punkte und so weiter. Nach Addition der Punkte aus den einzelnen Wettfahrten entsteht also eine Gesamtwertung, in der derjenige gewinnt, welcher die niedrigste Punktzahl hat:

Low-Point-System

Boote, die zwar gemeldet hatten, aber nicht (im Limit) ins Ziel kommen, bekommen die Höchstpunktzahl + einen Extrapunkt.
Dieses System ist einfach zu handhaben und leicht nachzuvollziehen, hat jedoch Nachteile:

  • Ausreißer: Der Viertplatzierte erhält 4x so viele Punkte wie der Erstplatzierte. Sofern es kein Streichergebnis gibt, ist eine schlechte Wettfahrt also praktisch kaum noch auszugleichen
  • Gesamtwertung: Die Vergabe der Punkte berücksichtigt nicht, wie viele Boote in der Klassen gestartet sind; der Drittplatzierte erhält immer 3 Punkte, auch wenn er in seiner Klasse Letzter war.

Eine Gesamtwertung über alle Klassen kann man so natürlich nicht aufstellen, dafür brauchen wir etwas anderes.

Das High-Point-System

Die Gesamtwertung der Frühjahrsregatta ist nach dem High-Point-System entstanden. Dabei bekam der Sieger einer Wettfahrt der jeweiligen Klasse immer 100 Punkte.
Die Platzierten in den Klassen bekamen Punktzahlen, deren Höhe sich danach bemaß, wie viele Boote in der Klasse gestartet sind.

In einer Klasse mit drei gestarteten Booten also 100 für den ersten, 67 für den zweiten und 33 für den dritten Platz.
Für 5 Boote dann 100/80/60/40/20, bei 10 Booten 100/...10.

Aus der Addition der Punkte wurde eine Gesamtwertung gebildet:

Jetzt haben wir eine Gesamtwertung, in der sogar der Segelnachwuchs mitgewertet werden kann. Aber der Nachteil fällt sofort auf: wenn die Klassensieger immer die gleichen sind, braucht man ein weiteres Wertungskriterium. Dafür wurde die Anzahl der in der Klasse gestarteten Boote verwendet: Benjamin ist auf dem ersten Platz, da er in der Klasse mit den meisten Booten (O2) gestartet ist. Perfekt ist das natürlich ebenfalls nicht.

Beiden Systemen ist übrigens gemeinsam, dass es für die Vergabe der Punkte keine Rolle spielt, wie groß die Zeitabstände waren. Ob eine Sekunde oder 5 Minuten - es gibt immer die gleiche Punktzahl. Das ist für Punktesysteme, aus denen Gesamtwertungen gebildet werden sollen, auch alles andere als optimal.

Das 100-Punkte-Rösch-System

Was nun? Eine Möglichkeit ist es, die Gesamtwertung in Zukunft nach dem "100-Punkte-Rösch-System" aufzustellen. Bei diesem System werden die Punkte für die Platzierten danach vergeben, wie groß der prozentuale Abstand zur schnellsten gewerteten Zeit ist:


Wenn also Boot A mit einer gewerteten Zeit von 40:00 mm:ss die schnellste Zeit der Wettfahrt gesegelt ist und Boot B mit 44:00 mm:ss gewertet wird, erhält Boot A 100 Punkte und Boot B 90 Punkte ( es war genau 10% langsamer).
Die Rangliste unserer Frühjahrsregatta hätte dann wie folgt ausgesehen:


Damit das System funktioniert, brauchen auch die Boote in den Einheitsklassen Yardstickzahlen, weswegen diese ab sofort im Anmeldeprozess im manage2sail abgefragt werden.

Aber auch dieses System hat Nachteile:

  • Alle Boote müssen den gleichen Kurs absegeln, da die Basis für die Segelzeit natürlich gleich sein muss. Damit können die Optimisten nicht mitgewertet werden - sie fahren einen verkürzten Kurs oder weniger Runden.
  • Sehr schnelle Boote (z.B. die Kats) können ihren Vorteil nicht vollständig nutzen, sofern die Kurslänge nicht auf ihre Geschwindigkeit angepasst ist - was aber nicht in Frage kommt, wenn die Wettfahrten nicht zu lang werden sollen.

Fazit

Es ist und bleibt komplex, unsere Vereinsregatten fair zu werten, und es geht ja nicht nur darum, den besten Segler zu ermitteln:

  • Die Einstiegsschwelle für Neulinge soll niedrig sein, damit möglichst viele mitmachen
  • Auf unserer Ebene soll es keinen "Materialsport" geben; auch mit älteren Booten und Material sollen gute Platzierungen möglich sein
  • Individuelle Verbesserungen sollen berücksichtigt werden

Wir werden das Rösch-System voraussichtlich zur Jubiläumsregatta testen. Weitere Anpassungen, wie z.B. Handicapwertungen, müssen für die Zukunft diskutiert werden.

Für die Erklärung des Zustandekommens der Gesamtrangliste wird ein weiterer Artikel folgen.

Wer bis hierhin durchgehalten hat:
Danke für's Lesen.

Micha